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Die frühen Jahre ...

Methoden ressourcenorienterter Biografiearbeit unter dem Fokus von Geschlechtervielfalt

 

am 24. September 2015 in Dresden

 

Vorstellung/ Begrüßung

Die Bildungsreferentinnen von der Fachstelle für Mädchen*arbeit und Genderkompetenz in Sachsen Katrin Schröter-Hüttich und Anny begrüßten die Teilnehmenden und führten durch den Tag.

 

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Die Intention zu dieser Veranstaltung war das wiederaufgreifen des ersten Fachtages der LAG Mädchen zum Thema Biografiearbeit. Damals lag der Fokus auf Mädchen*arbeit und niedrigschwelligen Methoden in der pädagogischen Arbeit mit Mädchen*

Ziel von Biografiearbeit ist es aus der eigenen Geschichte zu lerne, um Erfahrungen und Erlebnisse als Ressourcen erkennen zu können und diese bewusst zu nutzen. Im Laufe des Fachtages wurden zwei Perspektiven betrachtet, zum einen die Perspektive der Fachkräfte, zum anderen die der Zielgruppe: d.h. zum einen Auseinandersetzung mit der eigenen Biografie als Grundlage pädagogischen Arbeitens, eigene Handlungsmuster kennen und hinterfragen, um bewusste und selbstsichere Entscheidungen in unserer Praxis zu treffen. Zum anderen in Hinblick auf die Zielgruppe: Wie kann ich als Fachkraft meine Adressat*innen befähigen einen Blick in die eigene Geschichte zu werfen, damit diese wiederum ihre Ressourcen erkennen und aktivieren können.

Der Fokus lag dabei auf den unterschiedlichen Arbeitssettings, welche sich dann auch in den angebotenen Workshops wiederspiegelte. Neben der Fokussierung der Dimension Geschlecht z.B. innerhalb der homogene Workshops-Setting, wurden weitere soziale Dimensionen wie Herkunft, Alter oder ökonomischer Hintergrund in den Auseinandersetzungen mit betrachtet.

 

Impulse

 

Dr. Ines Pohlkamp und Olaf Jantz stimmten die Teilnehmenden mit ihrem Impulsen zum Thema: „Aus Lebensgeschichten lernen?! Methodische Hinweise zur geschlechterbewussten Biografiearbeit“ auf die Workshops ein.

 

Dr. Ines Pohlkamp lebt in Bremen und ist Sozialwissenschaftlerin und Kriminologin. Sie promovierte zu Trans*Inter*feindlicher Diskriminierung Gewalt und arbeitet als politische Bildungsreferentin für geschlechterreflektierende Pädagogik, queer-feministische Mädchenarbeit, intersektionale Bildung im Tagungshaus Bredbeck.

 

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Olaf Jantz lebt in Hannover und ist Diplompädagoge, Personenzentrierter Gesprächspsychotherapeut (GwG) und Jungenbildungsreferent bei mannigfaltig e.V. Schwerpunktthemen seiner Arbeit sind u.a.: transkulturelle Jugendbildung, Gewalt, Migration und Mehrfachzugehörigkeiten.

 

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                     Workshop 1:   Biografiearbeit im koedukativen Setting  

                         (Ines Pohlkamp, Dr. phil.)

                          

Biografiearbeit in einem Raum mit verschiedenen Geschlechtern und Sexualitäten als Schlüssel zum Verstehen sexueller und geschlechtlicher Vielfalt?! Wir nähern uns in diesem Workshop biografisch den eigenen geschlechtlichen und sexuellen Brüchen, Diskontinuitäten und Kontinuitäten. Wir tauschen uns über die eigene Geschlechtsidentitäten aus und suchen nach Vieldeutigkeiten und Ambivalenzen. Dabei steht neben der persönlichen Auseinandersetzung mit geschlechtlicher und sexueller Vielfalt die Frage im Raum, was die Vor- und Nachteile von biografischem Arbeiten im geschlechtlich diversen Raum sind.

 

Workshop 2:   Mit Jungen*  über ihre Geschichte sprechen – Biographiearbeit praktisch gestalten (Olaf Jantz)

 

Wie bringen wir Jungen* ins Gespräch über ihre Geschichte(n)? Wie motivieren und vor allem wie halten wir Jungen* „im Gespräch“?

In diesem Workshop werden Zugänge zu Jungen*/männlichen* Jugendlichen vorgestellt, die ihnen und uns ermöglichen, die persönlichen Geschichten zu verstehen. Diese Zugänge werden anhand jungen*erprobter Methoden im Workshop erfahren (eigene Biographiearbeit) und in ihrem Nutzen für die unterschiedlichen Jungen* gemeinsam diskutiert.

Querthemen wie Migrationserfahrungen, abgegrenzte Lebenswelten, Gewalterlebnisse können gerne methodisch bearbeitet werden.

 

 

Workshop 3: Ressourcenorientierte Biografiearbeit in der Arbeit mit Mädchen* und jungen Frauen* (Katrin Schröter-Hüttich und Anny Matthes)

 

Wie kann ich Mädchen* befähigen in ihrer Biografie eigene Ressourcen zu erkennen?

Zu dieser Frage werden wir kürzere niedrigschwellige und längere tiefende Methoden der Biografiearbeit kennen lernen und selbst erleben. Unter dem Fokus der Geschlechtervielfalt und vor dem Hintergrund von romantischer und sexueller Orientierung, Herkunft und anderer gesellschaftlicher Kategorien reflektieren wir die eigene Biografie und filtern daraus eigene erworbene Ressourcen. Aus dieser Sequenz entwickeln wir gemeinsam Ableitungen für die praktische Arbeit mit „unseren“ Mädchen* und jungen Frauen* ziehen.

 

Beispielhafter Ablauf der Workshops anhand von Workshop 3

Kennenlernen anhand von niedrigschwelligen Methoden der Biografiearbeit, welche auch auf die Zielgruppe übertragbar sind

  • Die Geschichte meines Namens (Austausch in Zweiergruppen zur Herkunft des eigenen Namens, Wer/ Welche hat mir meinen Namen gegeben? Was bedeutet mein Name? Was verbinde ich mit ihm?, danach Austausch in der Großgruppe)
  • Spielzeug (auf dem Boden werden A4 Blätter mit verschiedenen Spielzeugkategorien verteilt – z.B. Basteln, Puppen und Teddys, Ballspielen, Bude brauen und draußen sein, Karten- und Brettspiele etc., die Teilnehmenden ordnen sich ihrem Lieblingsspielzeug aus der Kindheit zu uns tauschen sich mit den Personen aus, die ähnliche Beschäftigungen bevorzugt haben und kommen so ins Gespräch)
  • Alltagsgeräusche (Teilnehmende bewegen sich im Raum, Alltagsgeräusche – z.B. Zuggeräusche, Schulklingel, Schlaflied, springender Ball, Vogelgezwitscher etc. werden abgespielt, Austausch mit der Person die mir als nächstes begegnet zu den Erinnerungen aus meiner Kindheit)

 

Einstieg in die vertiefende Auseinandersetzung mit der eigenen Biografie

  • Erarbeiten einer Lebenslinie zum Thema Geschlecht in Einzelarbeit: Wann ist euch das Thema Geschlecht in eurem Heranwachsen begegnet? Welche Personen haben auch beeinflusst? Welche Themen waren euch wichtig? (Achtsamkeit! Welche Themen möchte ich heben, welche bleiben in diesem Kontext unberührt?)
  • Austausch in Zweiergruppen zu den eigenen Lebenslinien? Was wollt ihr mitteilen? Was bleibt bei euch?

Erkennen von Gemeinsamkeiten und Unterschiede in den weiblichen* Biografien in der Großgruppe

  • Welche Erfahrungen habt ihr gemacht, welche andere hier im Raum vielleicht auch erfahren haben? – Gemeinsamkeit?
  • Welche Themen habt ihr wiedergefunden?
  • Unterschiede zu „männlichen“ Biografien? Oder z.B. zu Migrationsbiografien?

 

Ableitungen aus der eigenen biografischen Arbeit für meine berufliche Praxis

  • Weiterarbeit mit der eigenen Lebenslinie in Einzelarbeit – welche Erfahrungen habe ich in meiner Biografie gemacht,
  • aus der Ressourcen entstanden sind, die ich heute sehr an mir schätze
  • die ich in meinem Beruf nutze/ brauche
  • die ich Mädchen weitergebe
  • Weiterarbeit in Zweiergruppen: Gegenseitige Vorstellung, „Geschenkter Blick“: Was kann meine Partner*in noch in meinem Bild erkennen, was ich vielleicht selbst übersehen habe?
  • Weiterarbeit in Großgruppe: Ressourcenkoffer: Welchen Begriff habe ich in meiner eigenen Biografie (wieder)entdeckt, den ich gern mit der Gruppe teilen möchte?

 

Abschluss und Feedback

 

Unsere Biografie – mehr als die Summe unserer einzelnen Erfahrungen

   

Die Abschlussrunde fand im großen Stuhlkreis statt. Alle – Teilnehmende und Referent*innen bekamen ein weißes A4 Blatt in Form eines Puzzelteiles und gestaltete es nach Belieben. Was hat mir besonders gefallen? Was nehme ich mit? Welche Ressource habe ich in meiner Biografie (wieder) entdeckt? Wie geh ich jetzt nach Hause?

 

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Alle Anwesenden gaben ein kurzes Abschlussstatement und legten ihr Puzzelteil in die Mitte, sodass sich ein gemeinsames Abschlussbild für den Fachtag entstand.

   

Kontakt

Königsbrücker Str. 62
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