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Fachtag "Durchgeknallt?! - Traumasensibler Umgang mit herausfordernden Mädchen* und jungen Frauen*"

Zahlreiche Mädchen* und junge Frauen*, mit denen Fachkräfte aller Bereiche der Kinder- und Jugendhilfe (täglich) in Kontakt sind, bringen eine belastete Biografie und traumatische Erfahrungen mit. Sie zeigen Verhaltensweisen, die als irritierend, „skurril“ und/oder gewaltvoll erlebt werden, Fachkräfte jedoch mindestens an ihre Grenzen bringen. Pädagog*innen sind herausgefordert, auf diese Verhaltensweisen professionell zu reagieren und leisten dabei häufig einen großen Teil der Bewältigungs- und Traumaarbeit.

Der Fachtag hat fachspezifisches Wissen vermitteln, um traumapädagogische Haltungen zu schärfen. Nicht die Mädchen* und jungen Frauen* sind „durchgeknallt“ oder „verrückt, sondern das, was sie erlebt und überlebt haben. Sie verlieren schnell die Kontrolle, dissoziieren, erstarren, übertragen (auch) auf die Pädagog*innen traumatische Beziehungserfahrungen. Der Fachtag hat Antworten gegeben und Impulse gesetzt, wie traumatische Verhaltensweisen erkannt, in einer akuten Situation reagiert, adäquat Grenzen gesetzt und eine hilfreiche, professionelle Beziehung gestaltet werden kann.

 

Den Anfang machte Julia Häcker aus Dresden. Sie ist als Vertreterin des Weinberginstituts als Expertin vor Ort und gab allen Teilnehmenden eine verständliche, übersichtliche und interessante Einführung in das Thema Trauma und zu den Folgen für die Bindungsentwicklung. Dabei bezog sie sich auf hirnorganische Prozesse, welche in traumatischen Situationen stattfinden, um Reaktionen und Verhaltensweisen der Mädchen* oder jungen Frauen* zu erklären. Sie brachte dabei immer praktische Beispiele ein und untermalte damit theoretische Grundlagen. Nach diesem einleitenden Vortrag folgte Anja Rodig, Diplom-Sozialarbeiterin / -pädagogin aus Berlin. Sie stellte die vollstationäre Einrichtung die "Gefährten GmbH & Co KG" vor und gab Einblicke in die praktische Arbeit mit traumatisierten Mädchen* und jungen Frauen*. Dabei fand sie immer wieder einen Bezug zu der theoretischen Einführung von Julia Häcker und teilte viele eigene Erfahrungen.

 

Im zweiten Teil des Fachtages fanden vier spannende Workshops statt. Workshop 1 thematisierte den Umgang mit aggressiver Dysregulation und Selbstfürsorge im pädagogischen Alltag. Ein bereits von Anja Rodig angesprochenes Thema, welchem hier noch einmal mehr Raum gegeben wurde.  Julia Häcker konnte nun tiefer in die Thematik einführen und mit den Teilnehmenden des Workshops Reaktionsmöglichkeiten anhand von Praxisbeispielen erarbeiten. In Workshop 2 gab Eric Maes eine Einführung in die Grundlagen des Systemischen AggressionsManagements - SAM und Einblick in die Lebenswirklichkeit traumatisierter Mädchen in einer stationären Jugendhilfeeinrichtung. SAM soll als praktisches Werkzeug dienen um konstruktiv und einfühlsam zu handeln. Jana Kusnezow, Feministische Körper- und Gestaltungstherapeutin und WenDo-Trainerin, reiste den weiten Weg aus Stralsund an, um mit den Fachkräften im Workshop 3 anhand von vielen verschiedenen Übungen das eigene "Bauchgefühl" zu stärken da viele Fachkräfte der Kinder- und Jugendhilfe im alltäglichen Kontakt mit belasteten, traumatisierten Mädchen* und jungen Frauen* häufig ein Gespür dafür haben, wie es ihrem Gegenüber geht und was im Moment hilfreich sein könnte. Zu selten vertrauen sie dieser inneren Weisheit und schenken damit wichtigen Informationen und Handlungsimpulse wenig Beachtung. Im Workshop 4 ging es um das Thema "traumasensibles Arbeiten nach sexuellem Missbrauch oder sexuellen Übergriffen". Antje Schulz und Diana Mehmel erläuterten sowohl theoretische Grundlagen und Definitionen, als auch Handlungsempfehlungen im praktischen Umgang mit Betroffenen. Dabei gingen sie vor allem auf die Fragen und Anmerkungen der Fachkräfte ein und sensibilisierten die Teilnehmenden für diese Art von traumatischer Erfahrung.

 

 

 

 

 

                       

 

       

 

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