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Chillen, Whatsapp, Freundinnen treffen… und montags zu PEGIDA!

Vorstellung/ Begrüßung

Der Fachtag wurde durch Katja Demnitz (Fachstelle für Mädchen*arbeit und Genderkompetenz) eröffnet. Veranstalter*innen  des Fachtages im Neuen Rathaus Leipzig waren der Arbeitskreis Mädchen* Leipzig, die Stadt Leipzig - Referat für Gleichstellung von Frau und Mann und die LAG Mädchen* und junge Frauen* in Sachsen e.V.  Lisa Baumann (Frauen für Frauen e.V. / Girlz* Space) führte als Moderatorin* durch den Tag.

Ein Grußwort hielt Berit Lahm von der Fachstelle Extremismus und Gewaltprävention der Stadt Leipzig.

Ziele und Inhalte

Anlass des Fachtages waren Anliegen/ aktuelle Spannungsfelder von Fachkräften  kommunaler Träger: Sie erlebten Mädchen* und junge Frauen*, welche in ihrem nahen und/oder weiteren Umfeld Alltagsrassismus und fremdenfeindliche Haltungen hören. In den Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe zeigten sich Spannungen in besonderem Maße. Einerseits treffen sich hier Jugendliche, welche aus anderen Kulturkreisen geflüchtet sind und bisher wenig bis keinen Kontakt mit westeuropäischen Werten und Geschlechternormen hatten. Andererseits übernehmen Mädchen* und junge Frauen* oftmals fremdenfeindliche Haltungen von Bezugspersonen oder aus medialer Berichterstattung und äußern sich rassistisch.

Für rechtsaffine Mädchen* oder sich in rechten Strukturen befindende Mädchen* sind stark hierarchisierende Geschlechterbilder, Reproduktionsgedanken und (aktuelle) Weiblichkeitsinszenierungen die Antwort auf die "Zerstörung" des Volkes und richtungsweisend für ihre „weibliche“ Identität.

Intention des Fachtages war es, zu fragen, wie Pädagog*innen mit Fremdenfeindlichkeit und rassistischen Äußerungen von Mädchen* und jungen Frauen* in den Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe umgehen können, welche Themen Mädchen* und junge Frauen* dabei besonders beschäftigen und wie Begegnung auf „beiden Seiten“ gelingen kann.

Der Fachtag hatte weiterhin den Anspruch sich mit der jeweiligen „Faszination“, „Attraktivität“ und den „neonazistischen Antworten“ auf komplex- gesellschaftliche Problemlagen zu beschäftigen und insbesondere die Motive von rechtsaffinen Mädchen* zu beleuchten.

Aktuellen Studien folgend ist in dem Kontext die kritische Auseinandersetzung mit geschlechtsbezogenen Rollenbildern ein Erfolg versprechender Ansatz. Dabei wird Heteronormativität kritisch in den Blick genommen und es sollen Vielfalt, Teilhabe und individuelle Lebensentwürfe gestärkt werden.

 

 

Vorträge

 

Die Auseinandersetzung mit diesem komplexen Thema wurde im 1. Teil des Fachtages mit 3 Vorträgen angereichert.

 

Vortrag 1:      Sachsen Antidiskriminierungsarbeit in Sachsen - ein Einblick in die Praxis

Sotiria Midelia (Antidiskriminierungsbüro Sachsen)

Vortrag 2: 

Rechte Mädchen* im Kontext von Sozialer Arbeit. Geschlechtersensible Analyse und Handlungsmöglichkeiten.Johanna Sigl (Pädagogin und Soziologin M.A.) Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Philipps-Universität Marburg und Mitglied im Forschungsnetzwerk Frauen und Rechtsextremismus.

                              

Vortrag 3:     

Zur Notwendigkeit geschlechterreflektierender Prävention und erste Ergebnisse einer Praxisforschung zu rechtsorientierten und abwertenden Mädchen* Enrico Glaser (Diplom-Ingenieur und Soziologe), arbeitet u.a. in der Fachstelle Gender und Rechtsextremismus der Amadeu Antonio Stiftung

Die Vorträge beleuchteten verschiedene Aspekte des Themas Mädchen* und rechte Einstellungen und boten auch im Anschluss Diskussionsstoff.

 

Workshopphase

 

Im Anschluss stellten sich die Workshopleiter*innen und die geplanten Inhalte ihrer Workshops vor.

 

Workshop 1:

Handlungsstrategien gegen rassistische Diskriminierung

 

Sotiria Midelia, Antidiskriminierungsbüro Sachsen

 

Der Workshop knüpfte an den Vortrag vom Vormittag an. Die Leitfrage im Workshop war: „Was kann in konkreten Fällen gegen rassistische Diskriminierung getan werden?“. Zunächst wurde in einem kurzen Input darauf eingegangen, welche Formen und Ebenen es von Diskriminierung gibt, um im zweiten Schritt gemeinsam mit den Teilnehmenden konkrete Handlungsstrategien entwickelt. Diese wurden anhand von Fallbeispielen besprochen und erarbeitet.

Workshop 2:            

„Nur die Freundin von?“

 

Karola Jaruczewski, Rehabilitationspsychologin. Sie arbeitete mehrjährig in einem Projekt zur geschlechterreflektierenden Präventionsarbeit gegen Neonazismus. Ihre Themenschwerpunkte sind antirassistische und geschlechterreflektierende Bildungsarbeit.

 

Enrico Glaser (Chemnitz) ist Diplom-Ingenieur und Soziologe und arbeitet u.a. in der Fachstelle Gender und Rechtsextremismus der Amadeu Antonio Stiftung.

Der Workshop hatte folgende Intention: Mädchen* und junge Frauen* werden in der Regel nicht mit ihren politischen Motivationen ernst- und wahrgenommen. Und das umso mehr, je stärker es um menschenfeindliche, rassistische oder gar  neonazistische Orientierungen geht. Dabei werden diese Einstellungen auch von Mädchen* vertreten, ihre Strategien, Positionen und Handlungen geraten zum Beispiel auch in aktuellen rassistischen Mobilisierungen  aus dem Blick.

Im Workshop werden wir diesen Nicht- und Fehl-Wahrnehmungen nachgehen und versuchen, diese zu erhellen. Wir setzen uns mit Geschlechterbildern und Angeboten rechtspopulistischer und neonazistischer Bewegungen auseinander und erarbeiten, was für Mädchen* und junge Frauen* attraktiv daran sein kann. Daran anknüpfend diskutieren wir Ansatzpunkte, die in einer geschlechterreflektierenden Präventionsarbeit mit Mädchen* und jungen Frauen* wichtig sind.

Workshop 3:            

Entwicklung von Beteiligungsstrategien für Jugendliche*

 

Input 1: Sinah Al-Mousawi, Jugendparlament Leipzig, stellv. Vorsitzende Jugendbeirat

 

Input 2 und Workshopleitung: Courage Werkstatt für demokratische Bildungsarbeit e.V./ NDC Sachsen

 

Im 3. Workshop wurde erarbeitet, wie und in welcher Form Mädchen* und Jungen* für (demokratische) Beteiligung interessiert und motiviert werden können. Dazu stellte Sinah Al-Mousawi ihre Arbeit im Jugendparlament Leipzig in einem kurzen Input vor. Im Anschluss daran erhielten die Teilnehmenden weitere Impulse und erarbeiten Möglichkeiten der Beteiligung von Jugendlichen* in ihrem Arbeitsfeld.

Eine Zusammenfassung und eine abschließende Diskussion im Plenum rundeten den Fachtag ab.

 

 

Fazit

 

Die Vorträge gaben aus Sicht der Teilnehmenden einen guten Einstieg ins Thema und beleuchteten vielfältige Aspekte. Die Workshops erlebten die meisten als methodisch gut aufbereitet, Fragen aus der Praxis wurden aufgenommen und bearbeitet.

Insgesamt wünschten sich Teilnehmende mehr konkrete Handlungsimpulse für den Alltag. In Auswertung mit dem AK Leipzig möchte die Fachstelle den Bedarf aufgreifen und ein Argumentationstraining organisieren, um den Wünschen nach mehr konkreten  Handlungsoptionen nachzukommen.

Kontakt

Königsbrücker Str. 62
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